ENP zu Besuch bei Europas Tor zum Weltraum - Juli 2019

 

Führung im European Space Operations Center (ESOC) in Darmstadt

Wer „schießt“ Satelliten ins All? Warum, von wo aus, wie….? Den Antworten auf diese Frage sind wir am Freitag, den 26. Juli, ein ganzes Stück nähergekommen.

In einer tollen Führung konnten wir uns Satellitenmodelle und verschiedene Kontrollräume anschauen, die unseren Lagezentren und Befehlsstellen in den größeren Polizeipräsidien auf den ersten Blick gar nicht so unähnlich sind - nur dass sie weitaus mehr anzeigen, mehr und größere Bildschirme bieten und insgesamt imposanter wirken. Dazu noch die Erklärungen, welche Missionen gerade aktuell sind und welche bedeutenden Missionen in der Vergangenheit durchgeführt wurden, rundeten das Bild ab, das sich uns bot.
 
Gestartet sind wir im Presseraum mit einem Einführungsfilm, der uns die ersten Fragen bereits beantworten konnte.
Unterwegs auf dem Gelände durften wir uns Infomaterial und ein aktuelles Satellitenfoto vom Rhein-Main-Gebiet mitnehmen. Der ESOC-eigene Shop mit Souvenirs war bereits geschlossen – zum Glück. Das hätte zumindest mein Budget ordentlich belastet.
 
Hallo Astro-Alex
 
Nein, Alexander Gerst haben wir (leider) nicht getroffen. Er gehört zwar der ESA an (nämlich dem sogenannten vereinten europäischen Astronautenkorps) aber seine Mission wurde nicht in Darmstadt begleitet, sondern im EAC, dem Europäischen Astronautenzentrum in Köln. In Darmstadt werden „nur“ Satellitenmissionen geplant und kontrolliert, sie werden vom Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana/Südamerika, gestartet. „Unsere“ Astronauten starten mit Soyus-Raketen vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan.
 
Datensammeln in anderen Dimensionen
 
Bei der ESA, der Europäischen Weltraumagentur, also der Dachorganisation des ESOC, werden z.B. wissenschaftliche Satellitenmissionen, Missionen zur Erforschung der Schwerelosigkeit, meteorologische Missionen aber auch Erdbeobachtungs- und Telekommunikationsmissionen durchgeführt. Was passiert mit Grönlands Eis bei der Erderwärmung, wie entstehen Ebbe und Flut (ja, auch das ist noch nicht vollständig erforscht), wie entsteht und wie entwickelt sich Wind - dafür gibt es z.B. die Satellitenmissionen Aeolus oder auch Envisat.
Daneben wird ständig die Erdoberfläche hinsichtlich der Klimaveränderungen beobachtet oder auch Hilfestellung nach Naturkatastrophen durch Erdbeobachtungen gewährleistet.
 
Was können wir von unserem Planetennachbarn Mars lernen? Wasser gab es dort definitiv. Warum ist es weg? Was ist passiert? Das erhoffen sich die Forscher durch die Satellitenmission ExoMars zu erfahren.
 
Jede Minute sammeln die Erdbeobachtungssatelliten der ESA duzende Gigabyte an Daten über unseren wunderschönen Planeten. Genug Information, um ein hunderte Meter langes Bücherregal zu füllen. Viele dieser Informationen sind sogar öffentlich abrufbar – für Menschen, die mit diesen Daten etwas anfangen können. Nur Daten, die durch besonders spezialisierte Missionen erlangt wurde, sind nicht öffentlich zugänglich.
 
Mission Control saves science
 
Ein noch so kleines Teilchen eines Meteoriten oder Weltraumschrott hat das Potential, einen ganzen Satelliten zu zerstören oder sogar die Weltraumstation ISS ernsthaft zu beschädigen. Um Kollisionen zu vermeiden, sind Satelliten genauso wichtig, wie sie für andere Beobachtungen sind.
Apropos Weltraumschrott - davon gibt es inzwischen eine ganze Menge über unseren Köpfen und es gibt sogar eine eigene Müllhalden- oder auch Friedhofs-Umlaufbahn.
 
Puuh – wir können hier gar nicht alles wiedergeben, was wir erfahren haben und wir hätten noch stundenlang zuhören können. Leider dauerte die Führung nur eineinhalb Stunden – viel zu wenig, um sich über die vielen Projekte zu informieren, von denen wir im Übrigen auch im Alltag profitieren („technology transfer“). Beispielsweise konnten bereits durch die Weltraumforschung sicherere Schutzbekleidung für Feuerwehrleute entwickelt, die Telekommunikation verbessert und weiterentwickelt werden.
 
Spannend und informativ!
 
Fotos durften wir leider nicht machen und unsere Handys mussten wir am Empfang abgeben. Deshalb empfehlen wir Interessierten, die leider nicht bei dieser Veranstaltung dabei sein konnten, diesen Link zur ESOC Deutschland für einen Überblick. Schaut es Euch an und staunt, wie wir.
 
Die Bilder, die Ihr hier in diesem Bericht seht, stammen alle von der ESA. Und ja, wir dürfen sie verwenden, müssen nur dazu angeben, dass es sich um ESA-eigene Fotos handelt…
 
Soviel Input macht hungrig und durstig und deshalb klang dieser Tag im Darmstädter „VinoCentral“  - einer Weinbar/-restaurant aus. Lecker!
 
Seid gespannt auf unsere nächsten Missionen und seid dabei!

 

 

ESOC-Besuch                                      Bild3